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Rio de Janeiro

Nach einem rund dreistündigen Flug sind wir sicher in Rio de Janeiro gelandet, wo wir die Taxifahrt zum Hotel für eine erste Besichtigung der Stadt genutzt haben. Unser Hotel für die ersten beiden Nächte liegt in den Hügeln des Stadtteils Santa Teresa und bietet einen einmaligen Ausblick über Rio, vom Zuckerhut bis zur Christusstatue auf dem Corcovado. Nach dem Bezug des Zimmers reichte die Zeit noch für einen Sprung in den wirklich sehr kühlen Pool, bevor wir aus bester Lage beobachten konnte, wie die Sonne über dem Corcovado langsam unterging und die Beleuchtung des Cristo Redentor das Wahrzeichen Rios auch in der Dunkelheit der Nacht erstrahlen liess.

Am nächsten Morgen wurden wir für unser frühes Aufstehen mit einem eindrücklichen Sonnenaufgang über dem Zuckerhut belohnt. Während die Stadt noch zu schlafen schien präsentierte sich der Himmel über dem Pão de Açúcar in den schönsten Farben und zauberte uns schon in den frühen Morgenstunden ein Lächeln ins Gesicht.

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Schon bald wurde uns klar, dass Rio am schönsten ist, wenn man es von hoch oben betrachtet, doch auch auf Höhe des Meeresspiegels weiss die Stadt zu gefallen. So wagten wir uns am Donnerstagnachmittag ein erstes Mal an die Copacabana und machten uns auf die Suche nach einem Hostel für die nächsten paar Nächte, denn so schön unser Hotel in den Höhen Santa Teresas auch ist, für ausgiebige Stadterkundungen ist es nicht prädestiniert. Leider mussten wir feststellen, dass die Hostels in Rio nicht gerade auf den ersten Blick zu erkennen sind, weshalb wir die Buchung doch neumodisch via Internet vorgenommen haben. Das von uns ausgewählte Hostel liegt in der Region Lapa und entpuppte sich als wahrer Glücksgriff an idealer Lage. Nun gut, ein paar Scheiben in den Fenstern hätten den Aufenthalt wohl noch etwas angenehmer gemacht.

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Nachdem wir unser Gepäck im Hostel deponieren konnten, machten wir uns per Metro und Bus auf zum Zuckerhut. Obwohl Rio unendlich gross zu sein scheint, findet man sich überraschend schnell zurecht. Die beiden Metro-Linien sind relativ übersichtlich und die Busse fahren zwar kreuz und quer durch die Stadt, doch am Ende landen sich doch meist an den Promenaden von Copacabana oder Ipanema. Unser Bus steuerte jedoch direkt zur Talstation der Zuckerhut-Seilbahn, wo wir uns mit Tickets für die Fahrt eindecken konnten. Wir entschieden uns jedoch gegen das Betreten der Gondel und machten uns zu Fuss auf zum Gipfel des 226 Meter hoch gelegenen Morra da Urca, wo die erste Station auf dem Weg zum Zuckerhut liegt. Nach ein paar Metern auf dem eigentlich ca. 2.5 km langen Marsch nach oben entschieden wir uns für eine signalisierte Abkürzung, welche die Strecke zwar halbieren, den sportlichen Aufwand jedoch verdoppeln sollte. Schweissgebadet, nach Atem ringend und stolz ob unserer Leistung (immerhin haben wir nur etwa die Hälfte der angegebenen Zeit benötigt) kamen wir nach der Wanderung – welche Teilweise schon eher als Klettertour durchgehen dürfte – auf dem Urcahügel an. Belohnt wurden wir mit einer unglaublichen Aussicht, welche nur Minuten später arg in den Schatten gestellt werden sollte. Vom Morra da Urca ging es anschliessend per Luftseilbahn weiter zum Zuckerhut, den man – vielleicht zu unserem Glück – nur als Bergsteiger ohne Hilfe von Italienischer Ingenieurskunst bezwingen kann. Oben angekommen erwartete uns eine Aussicht über Rio, welche uns für Minuten in Ehrfurcht erstarren liess und uns die Schönheit und Grösse dieser Stadt nochmals deutlicher vor Augen führte. Wir genossen den Anblick Rios und gaben unser Bestes, nicht von den unzähligen Selfiesticks erschlagen zu werden. Die Aussicht war schon bei Tageslicht ein unbeschreibliches Erlebnis, doch als sich die Sonne als riesiger Feuerball hinter dem Corcovado verabschiedete und der Christus-Statue einen mystischen Glanz verlieh, wurde der Platz auf dem Zuckerhut erst richtig zu einem der schönsten Fleckchen Erde, auf dem wir uns je bewegt haben.

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Am Wochenende zieht es die Bewohner von Rio de Janeiro an die Strände von Ipanema und der Copacabana und so taten wir es ihnen gleich. Am Samstag bezogen wir unsere Strandstühle und den Sonnenschirm am Strand von Ipanema und beobachteten das bunte Treiben der Leute. Am Sonntag ging es an den Strand der Copacabana, welcher sich in einer Kurve über rund vier Kilometer hinwegzieht. Apropos Kurven: Diejenigen der weiblichen Strandbesucher werden hier eher spärlich bedeckt – selbst wenn es einiges zu bedecken gäbe. An diesem Tag schien sich ganz Rio am Strand aufzuhalten und sich in die teils Meterhohen Wellen zu stürzen. Wenn man nicht gerade gegen die Macht des Wassers anzukämpfen versuchte, konnte man mit den mobilen Verkäufern feilschen, sich ungewollt mit Henna-Tattoos bemalen lassen oder einfach das Wetter geniessen und die Leute am Strand beobachten. Die Zeit verging wie im Flug und schon bald mussten wir den Weg zurück ins Hostel antreten, wo wir uns für den nächsten Tag eine Favela-Tour buchen wollten.

Leider mussten wir am nächsten Morgen feststellen, dass das Buchen der Tour nicht wunschgemäss geklappt hat, so dass wir dieses Unterfangen um einen Tag nach hinten verschieben mussten. Als Alternativprogramm drängte sich deshalb der Besuch der Cristo Redentor Statue auf. Nach der Fahrt mit der Zahnradbahn, welche uns stark an diejenige auf den Pilatus erinnerte, erreichten wir die Spitze des Corcovados und stellten mit Entsetzen fest, dass wir die Statue in der dichten Wolkenmasse nicht entdecken konnten. Ob es eine Strafe für unsere doch eher spärlichen Kirchenbesuche der letzten Jahre war, dass sich der Erlöser nicht zeigen wollte? Immerhin konnten wir feststellen, wo die Statue sein sollte, doch weiter als bis zum Sockel reichte die Sicht leider nicht. Doch selbstverständlich wollten wir uns nicht so schnell geschlagen geben und warteten geduldig am Fusse Cristos. Wir bemerkten, dass man vereinzelt die Umrisse der Statue erkennen konnte und teilweise zeigte sich die Jesus-Figur für Bruchteile von Sekunden in ihrer vollen Pracht, was jeweils durch ein Raunen der Menschen-Menge begleitet wurde, gefolgt von einem enttäuschten Stöhnen – welches an die Geräuschkulisse der Allmend nach einer missglückten Claudio Lustenberger Flanke erinnerte – wenn die Wolkenmasse wieder Oberhand gewann und der Erlöser wieder aus dem Blickfeld verschwand. Ob es die “Cristo, Cristo”-Anfeuerungsrufe der Jugendlichen, die Gebete der älteren Anwesenden oder doch die Laune der Natur war, die dafür sorgten, dass das Wetter und somit die Sicht immer besser wurden, ist nicht überliefert, doch wir nahmen diese positive Wende dankend an und konnten die eindrückliche Statue endlich in ihrer vollen Pracht begutachten. Nebst der Jesus Skulptur lohnt sich der Besuch auf dem Corcovado jedoch auch wegen der tollen Aussicht auf die Stadt. Vom Maracana Stadium über den Zuckerhut bis zur Pferderennbahn Gavea bietet die Ausblicksplattform einen tollen Rundumblick über Rio, welcher jedoch auch vereinzelt durch die Wolken beeinträchtigt wurde, uns jedoch trotzdem begeistern konnte. Nach der Rückfahrt mit der Zahnradbahn könnten wir uns bei der Talstation den gemäss Eigenwerbung besten Caipirinha Brasiliens und müssen festhalten, dass wir zumindest nichts gegenteiliges behaupten könnten.

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Am Dienstagmorgen stärkten wir uns an der mittlerweile liebgewonnenen kleinen Saftbar um die Ecke mit Frühstück und Vitaminen, bevor wir uns per Metro ins rund sechs Kilometer entfernte Estádio do Maracaña aufmachten. Das 1950 fertiggestellte Stadion war mit dem damaligen Fassungsvermögen von rund 200’000 das grösste Fussballstadion der Welt und bietet heute noch 74’738 Zuschauern Platz. Von Aussen ist die Erscheinung dieses in der unmittelbaren Nähe von Favelas gelegenen Fussballtempels sehr imposant, im Innern erwartetet uns jedoch ein vergleichsweise steriles Stadion der Moderne, welches so gar nicht in diese sonst so authentische Stadt und insbesondere dieses Viertel zu passen scheint. Der Besuch von Fussballstadien ohne Spiel ist generell immer eine etwas leblose Angelegenheit, so fehlte uns auch bei dieser Tour die richtige Atmosphäre, um uns für das Finalstadion der WM 2014 wirklich begeistern zu können. Das Highlight der Tour war sicherlich der Besuch der Umkleidekabine, welche jeglichen Luxus bietet, den man sich als Spieler nur wünschen kann, jedoch mit einem Geruch übersehen war, den man kennt, falls man für einmal erst am Sonntag daran denkt, die nassen Trainingsutensilien vom vergangenen Freitag aus der Tasche zu nehmen. Nach der rund einstündigen Tour durch das Estádio do Maracaña ging es per Metro zum Treffpunkt für das Highlight des heutigen Tages: Die Tour durch die Favelas von Santa Marta!

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Mit einer nur vierköpfigen Gruppe brachen wir auf in eine der wohl berühmtesten Favelas von Rio, welche insbesondere durch den Videoclip zu Michael Jacksons “They don’t care about us” Berühmtheit erlangte. Zum Zeitpunkt des Videodrehs war die Favela noch fest in Händen der lokalen Drogenbanden, welche sich erbitterte Kriege mit der Polizei und verfeindeten Gruppierungen lieferten – Einschusslöcher in den Wänden zeugen noch heute von dieser Zeit. Erst 2008 begann die Polizei mit der “Befriedung” eines Teils der Favelas und vertrieb die kriminellen Banden aus den Armutssiedlungen. Doch das Vertreiben der kriminellen Machenschaften ist nur ein erster Schritt der “Befriedung”, welchem permanente Polizeipräsenz, das Verbessern der Infrastruktur und soziale Projekte folgen. Als Verbesserung der Infrastruktur darf nebst der Wasser- und Stomversorgung auch die Bahn bezeichnet werden, welche den Aufstieg zu den am oberen Ende gelegenen Hütten deutlich erleichtert und welche Ausgangspunkt unserer Besichtigung war. Oben angekommen staunten wir nicht schlecht, als wir eine kleine Fussballanlage mit Kunstrasen entdeckten, auf welchem die Kids von Santa Marta ihr Talent zur Schau stellten. Von ganz oben folgten wir unserem Guide durch diverse kleine Gassen auf dem Weg zurück zum Start der Tour und bekamen einen guten Einblick in das Leben der Bewohner Santa Martas. Die gewählte Route folgte bewusst nicht der “Hauptstrasse”, welche vergleichsweise sauber wirkt, sondern führte uns in die verschiedenen Ecken der Favela und zeigte so auch die immer noch vorhandenen Probleme der Bewohner, insbesondere was Abfallentsorgung und Abwasser betrifft. Wenn man bedenkt, dass es sich bei dieser Favela um eine für den Tourismus aufgewertete Ausführung handelt, möchten wir uns nicht vorstellen, wie es in den Favelas aussieht, welche noch nicht “befriedet” wurden und keine staatliche Unterstützung erhalten.

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Der Besuch der Favela war ein weiteres Highlight in Rio de Janeiro, welchen wir auf keinen Fall missen möchten. Unsere Zeit in dieser wunderschönen Stadt neigt sich langsam dem Ende entgegen. Bereits morgen fliegen wir weiter in Richtung Süden.

Grüsse aus Rio

Steffi und Michi   

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