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Iguazú-Wasserfälle

Monströs? Gigantisch? Fulminant? Wir wissen wirklich nicht, wie man die Wasserfälle von Iguazú beschreiben soll, um ihnen gerecht zu werden, vermutlich ist das auch gar nicht möglich. Doch alles der Reihe nach…

Am Mittwochabend bezogen wir in Blumenau unser Schlafgemach auf Rädern und machten uns im Nachtbus auf den Weg nach Foz do Iguaçu. Diese Art der Fortbewegung drängt sich in Südamerika geradezu auf, kann man doch die Reisestrapazen elegant auf die Nacht verschieben, muss keinen Tag opfern und spart sich zugleich auch noch das Hotel. Unser Bus war sehr modern und die gewählten Plätze erinnerten an die Business-Class von Langstreckenflügen. An die wacklige Fahrt im Liegen muss man sich jedoch zuerst gewöhnen, doch in einem Land, in welchem schwimmende Flieger besungen werden, ist es wohl auch nicht abwegig, auf asphaltierten Strassen seekrank zu werden. Nach einiger Zeit gewöhnten wir uns jedoch an das Schaukelnde Gefährt und fanden doch etwas Schlaf. Am nächsten Morgen trafen wir dann an unserem Ziel am Dreiländereck von Brasilien, Argentinien und Paraguay ein, wo sich die Wasserfälle von Iguazú befinden. Sowohl Brasilien wie auch Argentinien bieten je einen Nationalpark, von wo aus dieses Naturwunder betrachtet werden kann. Am ersten Tag besuchten wir die Fälle auf der Brasilianischen Seite, bevor wir uns mittels Bus auf die andere Seite wagten. Der Grenzübertritt wäre grundsätzlich eine einfache Sache, welche ziemlich unbürokratisch abgewickelt wird. An der Brasilianischen Grenze steigt man aus dem Bus aus, holt sich seinen Austrittsstempel und wartet auf den nächsten Bus, welcher im Viertelstundentakt fahren sollte, und begibt sich zur Argentinischen Eintrittsstelle, wo die Busse auf die Fahrgäste warten, bis die Formalitäten erledigt sind. Dass man es hier in Südamerika mit der Zeit nicht so genau nimmt, ist und durchaus bewusst, nach über einer Stunde des Wartens auf den nächsten Bus wurden wir dann jedoch trotzdem etwas unsicher, ob wir an der richtigen Stelle warten würden. Nach ein paar weiteren Minuten wurden wir dann jedoch erlöst und wir konnten die Fahrt im nächsten Bus fortsetzen.

Da wir bereits bei unserem Island-Urlaub vor etwas mehr als zwei Jahren einige atemberaubende Wasserfälle hatten bestaunen dürfen, waren wir gespannt, ob uns diejenigen von Iguazú überhaupt noch überwältigen können. Und so erhöhte sich beim ersten Blick auf die Wasserfälle zwar unser Pulsschlag ein wenig und unserer Lippen formten sich zu einem freudigen Lachen, doch das ganz grosse Wow-Erlebnis blieb aus – noch! Denn mit dem ersten Blick auf die Wasserfälle zeigt sich noch lange nicht deren gesamtes Ausmass und mit jedem Schritt, den man auf dem Pfad des Nationalparks macht, eröffneten sich uns neue Perspektiven auf die ganze Breite der Iguazú-Fälle, welche man von der Brasilianischen Seite her aus einer gewissen Distanz betrachten kann und so einen guten Überblick über die schiere Grösse des Spektakels erhält. Am Ende des Pfades trifft man auf den Höhepunkt der Brasilianischen Seite, die sogenannte Teufelsschlund, wo man für einmal richtig Nahe an die Fälle herangeführt wird und die pure Kraft an eigenen Körper spüren kann, wo man an der wildesten Stelle trotz einer Distanz von geschätzten 20 Metern völlig durchnässt wird und wo die optische Wahrnehmung noch durch ohrenbetäubenden Lärm des aufprallenden Wassers verstärkt wird. Das Zentrum der Macht blieb an diesem Tag jedoch noch hinter dem dampfartigen Vorhang des aufprallenden Wassers verborgen und sollte sich uns erst am nächsten Tag präsentieren.

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Auf der Argentinischen Seite geht man ganz aus der Nähe auf Tuchfühlung mit den spektakulären Wasserfällen. Zwei verschiedene Wege führen durch den ersten Teil des Nationalparks. Auf dem „Lower Trail“ erkundet man die Wasserfälle wie der Name bereits vermutel lässt von unten, was sie noch mächtiger erscheinen lässt als wenn man sie auf dem „Upper Trail“ aus der Höhe der Klippe, wo sich das Wasser in die Tiefe stürzt, betrachtet. Die Wege führen immer wieder durch einen endlosscheinenden Wald, in welcher sich eine farbige Tierwelt präsentiert. Am auffälligsten – und aufdringlichsten – sind die Argentinischen Nasenbären, die einem an jeder Ecke erwarten und keine Scheu vor den Menschen kennen. Dies mussten wir am eigenen Leib erfahren, als sich einer dieser Nasenbären nach einem hastigen Sprung auf unseren Tisch entschied, das Mittagessen ungefragt mit uns zu teilen. Innert Sekundenbruchteilen sprang das Tier hoch, schnappte sich den Papiersack mit unserem Essen und war sogleich wieder in sicherer Entfernung. Möge ihn der Jaguar holen, den wir – abhängig vom Ausgang einer solchen Begnung – leider oder glücklicherweise nicht zu Gesicht bekommen haben, sich aber auch in diesen Wäldern aufhält. Nebst einer Vielzahl von farbenfrohen Vögeln, Insekten, Schlangen und deren beinigen Verwandten, fielen vorallem die Schmetterlinge auf, die an gewissen Stellen in einer derartigen Anzahl auftauchen, dass man meinen könnte, ein paar Frischverliebte hätten sich übergeben. DSCN2836Doch nicht nur die Sommervögel sorgten für ein farbiges Gesamtbild. Wo Wasser und Sonne aufeinandertreffen, entstehen Regenbögen und die gibt es im Nationalpark von Iguazú bei praktisch jedem der zahlreichen Wasserfälle. Sollte das Gerücht, dass sich am Ende eines jeden Regenbogens ein prall gefüllter Schatz befindet, stimmen, würde das auch die Inflation in Argentinien erklären.

Doch zurück zu den Wasserfällen; Nebst den beiden obenerwähnten Trails führt auch noch eine kleine Eisenbahnlinie durch den Nationalpark, welche in der Nähe der vom Vortag bekannten Teufelsschlund endet. Ein kurzer Fussmarsch führt dann zum eigentlichen Highlight des Parks. Was sich von der Brasilianischen Seite noch hinter einer weissen Dampfwand verborgen hatte, zeigte sich nun im vollen Ausmass: Garganta del Diablo! Die ungestüme Kraft dieses Wasserfalls lässt sich nicht in Worten beschreiben, die ihnen nur ansatzweise gerecht würden und kann weder auf Fotos noch auf Videos in ihrer vollen Kraft festgehalten werden. Die Natur zeigt an diesem Platz ihre brachiale Gewalt und lässt den Besucher für Minuten in Ehrfurcht erstarren!  Unmengen von Wasser, die nur wenige Meter zuvor noch brachliegen zu scheinen, stürzen sich plötzlich rasant in die Tiefe und verwandeln sich in einem mystischen Ort, den man für den Rest seines Lebens nicht mehr vergessen wird.

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