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Salar de Uyuni

Ein wenig skeptisch waren wir schon, als wir vor unserem Hostel den Bus betraten, welcher uns ins Abenteuer Salar de Uyuni bringen sollte. Egal ob in der Reisebibel Lonely Planet oder auf Trip Advisor, die Touren durch die Salzwüste werden selten mit Lob überhäuft. Dass die charmante Dame im Agenturbüro von World White Travel auch nicht oft genug erwähnen konnte, dass es sich hier wirklich um eine “really basic” Tour handelt, liess unsere Erwartungen auch nicht wirklich ins Unermessliche steigen. Da es sich allerdings um ein ziemliches Schnäppchen handelte und wir lieber wenig Geld für eine schlechte Tour ausgeben wollten als viel – schliesslich kommen auch die teuren Anbieter nicht gut weg – beschlossen wir, das Angebot anzunehmen und uns mit dem nötigen Proviant einzudecken, um drei Tage zu überleben. Wir bestiegen also den Bus, welcher sogleich den chilenischen Zoll ansteuerte. Der Liste, auf welcher man seine Personalien eintragen muss – vermutlich um die Hinterbliebenen im Falle eines Todes durch Verhungern informieren zu können – konnten wir entnehmen, dass es sich hierbei fast schon um ein Heimspiel handelte. Sieben der elf Teilnehmer besitzen einen Schweizer Pass, ergänzt wurde die Truppe durch eine Deutsche, eine Brasilianerin und zwei Inder. Der Halt am chilenischen Zoll sollte dann etwas länger dauern als eingeplant. Die beiden Inder verfügten über kein gültiges Visum für Bolivien und durften die Tour deshalb nicht antreten. Zurück auf Start also für die beiden Herren, bevor es für den restlichen Teil der Truppe, deren Schweizer- nur noch durch die Frauenquote überboten wurde, in Richtung Bolivianischer Zoll ging. Dort angekommen wartete ein reichhaltiges Frühstück auf uns, welches die Erwartungen schon mal um Längen übertraf. Die Reisetruppe wurde an dieser Stelle auf zwei Fahrzeuge aufgeteilt, welche etwas besser für das Gelände geeignet sind, als der Bus, welcher uns bis zu dieser Station gebracht hat. An dieser Stelle wurde es nochmals etwas regionaler; die Viererbesatzung von “Team Tom” stammte vollständig aus Luzern – ergänzt durch unseren bolivianischen Fahrer namens Paul.
Als das Gepäck verstaut war und die Plätze bezogen waren, ging die Reise durch die karge Landschaft Boliviens los. Unsere Route führte uns an verschiedene Lagunen sowie zu einer Geysirlandschaft auf rund 5’000 Meter über Meer. Um gegen die viel beschriebene Höhenkrankheit gewappnet zu sein, deckten wir uns vorgängig mit Koka-Bonbons und Kokablättern ein. Zu unserer Überraschung überstanden wir den Aufstieg jedoch ohne Beschwerden, was uns jedoch nicht daran hindern sollte, trotzdem auf den Kokablättern rumzukauen. Diese Beschäftigung stellte sich als weniger appetitlich heraus als erhofft, fühlte es sich doch etwa so an, als wenn man den Inhalt eines Teebäutels als Kaugummi benutzen würde. Weit angenehmer war das Benutzen des menschlichen Kauwerks, als uns bei der Unterkunft für die erste Nacht das Mittagessen serviert wurde. Wie für die Schweizer Reisegruppe geplant, gab es eine Art Mini-Cervelats mit Kartoffelstock, was uns ein erstes Mal die schlechten Touren-Bewertungen hinterfragen liess. Nach dem Mittagessen ging es weiter zur Laguna Colorada, welche das Highlight des ersten Tages darstellen sollte. Bereits die ersten Lagunen auf der Tour waren wunderschön, durch unsere Camper-Rundreise in San Pedro waren wir uns jedoch schon ein wenig an solche Anblicke gewohnt. Die Laguna Colorada machte ihrem Namen alle Ehre und präsentierte sich in verschiedensten Farben und beheimatete hunderte Flamingos und Lamas.

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Nach der Rückkehr in die Unterkunft wurde nochmals alles unternommen, um das schlechte Image der Reiseorganisatoren aufzupolieren. Auf Kaffee und Tee mit Keksen folgten Spaghetti Bolognese, die mehr als bloss geniessbar waren. Auch genächtigt wurde nicht etwa in einem Massenschlag, sondern in grosszügigen Viererzimmern, wo einzig wir zwei ein Bett teilen mussten. Die fehlende Heizung wurde durch zahlreiche Decken und einen Schlafsack kompensiert und für zwei Stunden gab es sogar Strom, um die Akkus der Kameras aufzuladen.

Am nächsten Tag besichtigten wir weitere Lagunen, die sich nicht mehr all zu stark voneinander unterscheiden sollten, sowie ein paar skurrile Steinformationen. Den unterhaltsamsten Part des zweiten Tages sollte allerdings der Zwischenhalt darstellen, welcher von Paul zum telefonieren genutzt wurde – vermutlich der einzige Quadratmeter in der Wüste, an welchem man etwas Empfang hatte und von uns entsprechend gefeiert wurde. Ein weiterer Zwischenhalt sorgte erneut für Begeisterung. Kurz vor Erreichen der zweiten Unterkunft durften wir uns in einem kleinen Laden noch mit Bier und Wein eindecken, das Unterhaltungsprogramm für den Abend war also gefunden. Die zweite Unterkunft verdiente schon fast ein paar Sternchen als Qualitätssiegel. Nebst fliessend warmem Wasser und durchgehender Stromversorgung konnte man sich am Boden auch noch nach Herzenslust an Salz bedienen, wovon jedoch nur ein einheimischer Knirps Gebrauch machte. Wir bevorzugten die eingekauften Getränke und verbrachten einen lustigen Abend, bevor wir uns in die Doppelzimmer zurückzogen.

Am letzten Tag der Tour hiess es früh aufstehen. Bereits um vier Uhr morgens wollte Paul losfahren, damit wir den Sonnenaufgang in der Salzwüste von Uyuni erleben können. Eine Zeit, zu welcher nebst uns nur die Milchstrasse wach war, deutlich aus dem restlichen Sternenhimmel hervor stach und uns bereits für das frühe Aufstehen belohnte. Doch auch der eigentlich Grund für das Stellen des Weckers konnte uns entzücken. Der Sonnenaufgang in der weissen Salzwüste präsentierte sich in einer einzigartigen Pracht und veranlasste uns zum Zücken der Kameras – es sollte nicht das letzte Mal sein an diesem Tag. Denn nachdem wir eine kleine Kakteen-Insel besucht hatten und uns ein stärkendes Frühstück serviert wurde, starteten wir zur Fotosession in der Weite der Salar de Uyuni. DSC07615Bei entsprechenden Fähigkeiten im Umgang mit der Kamera eignet sich die Wüste herrvorragend, um Fotos der speziellen Art zu schiessen. Auch wir zögerten nicht, uns an diese Aufgabe heranzuwagen und drückten kräftig auf den Auslöser. Weit witziger als die Fotos, die bei den ersten Versuchen entstanden, war es, die Leute bei diesem Projekt zu beobachten, wie sie dämlich in der Wüste rumstanden und komische Haltung einnahmen – uns eingeschlossen. Mit etwas Übung wurden die Ergebnisse jedoch immer besser und wir hatten unseren Spass am Posieren.

Nach überstandener Fotosession besuchten wir noch ein eher langweiliges Salzmuseum sowie einen kleinen Markt, auf welchem die weissen Würfel noch von Hand mit schwarzen Punkten versehen werden. Den Abschluss der Tour bildete die Besichtigung eines Einsenbahnfriedhofs, wo einige Lokomotiven und Anhänger vor sich hin rosten – ein Bild wie der Anblick eines Extrazuges nach einer Auswärtsfahrt des FCL, wenn man den Schweizer Medien glauben darf.

Die Tour durch die Salzwüste von Uyuni war für uns ein weiteres Highlight auf unserer Reise um die Welt. Weshalb der Ruf der Anbieter so zweifelhaft ist, können wir nicht in keinster Weise nachvollziehen. Alle Beteiligten haben sich stets grösste Mühe gegeben, um die Tour zu einem tollen Erlebnis für die Teilnehmer zu machen – und das ist ihnen auch absolut gelungen!

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