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Von Höhen und Tiefen

Das Leben beinhaltet Höhen und Tiefen – das gilt auch für unsere Reise. Nachdem wir im ersten Drittel unzählige Highlights erleben durften und uns auch aus geografischer Sicht über eine geraume Zeit hinweg in ungewöhnten Höhnen befanden, war es an der Zeit, auch mal die Tiefen kennenzulernen. Nach unseren Weihnachtsferien in der Nähe von Santa Marta machten wir uns auf in Richtung Taganga, einem kleinen Fischerdorf, rund 45 Minuten entfernt von unserer letzten Station. Die Ortschaft hat sich in den letzten Jahren zu einer Hochburg des Tauchens in Kolumbien entwickelt und in dieser Zeit wohl auch einen grossen Teil ihres Charmes verloren, beherbergt Taganga doch mehr Touristen als es eigentlich Platz bieten würde. Bei einer von einem Deutschen geführten Tauchschule besuchten wir einen dreitägigen Kurs um das Taucherbrevet zu erhalten. Nachdem wir uns das theoretische Grundknowhow durch ein nichtendenwollendes Videostudium angeeignet und dem Tauchlehrer vorgezeigt hatten, dass wir uns 10 Minuten über Wasser halten können, wurden wir mit den Tauchutensilien ausgerüstet. Unsere Gruppe bestand nebest uns beiden und unserem Tauchlehrer Jorge noch aus Rob, einem kanadischen Backpacker wie aus dem Bilderbuch. Die ersten Atemzüge unter Wasser fanden noch in einem Pool statt, in welchem wir das kleine Einmaleins des Tauchsports erlernten, doch schon am zweiten Tag stachen wir in See und durften das Gelernte bei zwei Tauchgängen vor der Küste des Tayrona Nationalparks anwenden. Unter Wasser eröffnete sich uns eine völlig neue Welt voller Tiere und Pflanzen in den verschiedensten Farben und Formen, ergänzt durch das befreiende Gefühl der Schwerelosigkeit. Ein völlig neues Erlebnis für uns beide, welches wir so bald wie möglich wiederholen wollten. Bevor wir am dritten Tag erneut abtauchen durften, mussten wir unser theoretisches Wissen – an den beiden Abenden zuvor wurde fleissig gebüffelt – in einem Test unter Beweis stellen. Erst im Anschluss ging es per Schnellboot aufs Meer hinaus, wo zwei weitere Tauchgänge folgen sollten. Nach dem ersten Abtauchen durften wir unserem Tauchlehrer nochmals gewisse Unterwasserübungen präsentieren, welche wir mit Bravour meisterten. Beim vierten und gleichzeitig letzten Tauchgang ging es nur um den Spass an der Sache, Tauchen ohne Pflichtübungen stand auf dem Programm. Auch wenn die Sicht an diesem Tag nicht mehr so klar war wie am Vortag, war die Vorfreude auf diesen Teil des Kurses riesig, doch schon bald stellten wir fest, dass es auch beim Tauchen Höhen und Tiefen gibt. Probleme beim Druckausgleich, starke Strömungen, die eingeschränkte Sicht und ein vermisster Tauchpartner (O-Ton Tauchlehrer: I have no idea where Rob is…) führten dazu, dass wir diesen Tauchgang vorzeitig beenden mussten. Hatten wir bei den ersten Tauchgängen noch das Gefühl, dass die Zeit unter Wasser wie im Flug vergeht, so schien sie beim Auftauchen unter diesen Bedingungen still zu stehen. Glücklicherweise wurden wir an der Wasseroberfläche schon nach kurzer Zeit von einem Fischerboot eingesammelt, in welchem sich auch Rob befand und welches uns gemächlich zum Boot unserer Tauchschule brachte. Dieses Erlebnis werden wir bestimmt nicht so schnell vergessen, doch wir sind uns einig, dass wir uns davon nicht abschrecken lassen und weitere Tauchgänge folgen werden – wenn auch bei etwas gemütlicheren Bedingungen. Nach dem erfolg- und ereignisreichen Erwerb des Taucherbrevets wollten wir nach Cartagena reisen und dort den Jahreswechsel feiern. Die Suche nach einer Unterkunft über die Festtage liess jedoch den Verdacht aufkommen, Kaiser Augustus hätte zu einer Volkszählung aufgerufen. Eine bezahlbare Unterkunft zu finden entpuppte sich so kurzfristig als Ding der Unmöglichkeit, weshalb wir uns entschieden, Silvester in der Industriestadt Barranquilla zu feiern. Die Stadt hat zwar nichts zu bieten, aber da dort sehr schöne Hotels für wenig Geld verfügbar waren, die Stadt zwischen Taganga und Cartagena liegt, wir uns aus dem Jahreswechsel nicht all zu viel machen und uns ein Hotel mit Pool und Restaurant gemütlicher vorkam als ein Stall mit Ochse und Esel, entschieden wir uns für diesen Zwischenhalt. Als wir dann im Internet eine Unterkunft in der Nähe von Cartagena gefunden hatten, machten wir uns auf den Weg in diese Stadt. Beim Eintreffen im gebuchten Hotel stellte sich jedoch heraus, dass sich dieses derzeit im Umbau befindet und leider kein Zimmer für uns bereitstand. Nach einer spannenden Diskussion konnten wir die Hotelbesitzer dann immerhin davon überzeugen, uns eine andere Unterkunft zu organisieren, welche wir zumindest so lange bewohnten, bis wir ein etwas zentraler gelegenes Zimmer fanden. Dass halb Kolumbien über die Weihnachtszeit nach Cartagena aufbricht ist durchaus nachvollziehbar. Die komplett ummauerte Stadtzentrum mit ihrer Kathedrale und weiteren wunderschönen Bauten gehört sicherlich zu den schönsten Städten, welche wir auf unserer Reise bisher gesehen haben. Zudem sind die Kolumbianer an der Küste nochmals etwas offener und lebensfroher als im Landesinnern – und das will was heissen. So kann es durchaus vorkommen, dass man sich in einer kleinen Kneipe ein Fussballspiel anschaut und sich ein paar Bierchen gönnt und dabei ins Gespräch mit einem Einheimischen kommt, der sich für das selbe Nachmittagsprogramm entschieden hat. Ein bisschen in Verlegenheit gerät man dann, wenn dieser kurz vor dem Verlassen der Kneipe noch kurzerhand mitteilt, dass die bereits getrunkenen Hopfensäfte von ihm übernommen wurden – welcome to colombia. Glücklicherweise konnten wir ihn zumindest überzeugen, seinen Arbeitsbeginn etwas nach hinten zu verschieben, damit wir uns immerhin halbwegs revanchieren konnten. Die Zeit in Cartagena verbrachten wir in erster Linie mit dem Schlendern durch die Strassen der prächtigen Altstadt und dem Planen der nächsten Etappen unserer Reise. Denn nach etwas mehr als drei Monaten in Südamerika setzen wir die Segel nun in Richtung Zentralamerika, wobei wir noch nicht so genau wissen, was uns dort erwarten wird.

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