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Mendoza & Salta

Es entbehrt nicht jeglicher Ironie, dass Mendoza just auf den selben Plakatwänden für die eigene Stadt wirbt, auf der auch Big Macs in Übergrösse angepriesen werden. Ein herrliches Bergpanorama im Hintergrund ergänzt die farbigen Weinreben, in welchen wohl gerade die Basis für ein paar gute Flaschen Malbec gelegt wird, alles überdacht vom wolkenlos blauen Himmel und durch wärmenden Sonnenschein ins rechte Licht gerückt. Doch leider entsprach dieses Bild bei unserer Ankunft etwa im gleichen Ausmass der Realität, wie der abgebildete Big Mac mit dem Burger übereinstimmt, der jeweils über die Theke gereicht wird. Mendoza präsentierte sich im grauen Kleid, bei einer Temperatur von rund 10°C – die Bergketten ausserhalb der Stadt konnte man nicht ansatzweise erkennen. Wir sind mit dem Vorhaben in den Westen Argentiniens gereist, das bekannte Weinanbaugebiet bei Wanderungen und Biketouren zu erforschen, suchten allerdings relativ schnell nach einem Alternativprogramm. Am Freitagabend wurde uns diese Suche leicht gemacht; im Zentrum der Stadt fand ein zweitägiges Weinfest statt, an welchem diverse Produzenten ihren Wein präsentierten. 20151023_201818Man kaufte sich ein Weinglas für rund fünf Franken, welches zur Degustation an den verschiedenen Ständen berechtigte. Die teils sehr bekömmlichen Weine entschädigten für das triste Wetter und von den Weinproduzenten konnte man noch etwas über die verschiedenen Weinsorten der Region in Erfahrung bringen. Auch wenn der Malbec in Mendoza klar dominiert, gibt es durchaus noch andere Sorten, zu welchen die Weinproduzenten jeweils noch einen spezielleren Bezug zu haben scheinen, da sie sich so etwas von der Masse abheben können.

Am Samstag entschieden wir uns dafür, eine vom Hostel angebotene Tour zu buchen, welche uns per Minibus zu drei verschiedenen Weinproduzenten und einer Produktionsstätte von Olivenöl führte. Die Produzenten unterschieden sich sowohl in Grösse als auch bei der Philosophie. Während der erste Produzent auf nächtliche Ernten setzt, verzichtet das zweite Weinunternehmen gänzlich auf den Einsatz von Chemie. Bei der dritten Station handelte es sich um eine etwas edlere Produktionsstätte, welche verhältnismässig nur wenige Flaschen produziert und angeblich recht erfolgreich und regelmässig Auszeichnungen für ihren Wein erhält. Gemeinsam hatten die drei Weinproduzenten jedoch, dass sie sich bei der Degustation nicht gerade von der grosszügigen Seite präsentierten, so standen zwar jeweils einige Flaschen auf dem Tisch, mehr als zwei oder drei Gläser gab es jedoch bei keinem der drei zu verkosten. Wir kehrten also nüchterner als erwartet von der Tour zurück, gönnten uns beim Abendessen dann wenigstens eine Flasche der Spezialität Mendozas – irgendwie musste die Leber ja beschäftigt werden. Weit grosszügiger zeigte sich in dieser Angelegenheit unser Hostel, wo jeden Abend zwischen sieben und neun Uhr gratis Wein ausgeschenkt wird, was für durchaus unterhaltsame Stunden unter den Gästen des Hauses sorgt und auch eine Niederlage der argentinischen Rugby-Nationalmannschaft vergessen lässt.

Nachdem das Wetter von Freitag bis Sonntag wie beschrieben nicht den Erwartungen entsprach, versprach der Wetterbericht für Montag und Dienstag Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 20°C Marke. Wir wollten diese erfreuliche Wendung nutzen, um in der Umgebung Mendozas an einer Wanderung teilzunehmen. Als wir mit geschnürten Wanderschuhen auf den Bus warteten, wurde uns mitgeteilt, dass die Tour – aus welchen Gründen auch immer – abgesagt wurde. Wir mussten unser Programm also kurzerhand anpassen und entschieden uns, mit dem Bus nach Cacheuta zu fahren, was in den Bergen – welche bis dahin noch immer nicht sehen konnten – um Mendoza liegt. Dort gönnten wir uns inmitten der sehr ansehnlichen Landschaft ein Bad in den heissen Quellen und beobachteten, wie sich die Wolken der Prophezeiung entsprechend langsam verzogen. Immer mehr erinnerte der gebotene Anblick dem Bild auf den Plakatwänden in der Stadt. Zu unserem Glück sollte dieses Wetter bis zu unserer Abreise anhalten und wir bekamen doch noch die Möglichkeit, Mendoza von seiner schönen Seite kennenzulernen. Bei Sonnenschein lädt die im Vergleich zu Buenos Aires recht überschauliche Stadt zu Spaziergängen in den zahlreichen Parks ein und versprüht einen gewissen Charme, der sich bei unserer Ankunft noch nicht abgezeichnet hatte.

Dennoch hiess es für uns schon bald wieder Rucksack passen. Unsere nächste Station hiess Salta, im Norden Argentiniens nahe der Anden. Ursprünglich hatten wir mit dem Gedanken gespielt, diese Strecke allenfalls mit einem Mietauto zu absolvieren, da Pläne jedoch dazu da sind, verworfen zu werden und damit wir etwas Zeit sparen können, welche wir mittlerweile schon wieder anders verplant haben, entschieden wir uns, diesen Weg per Flugzeug zurückzulegen. Dieser Entscheid wurde mit einem kurzweiligen Flug über einem flauschigen Wolkenmeer belohnt, aus welchem die Gipfel der Anden eindrücklich hervorragten und ihre Grösse erahnen liessen.

Salta war für uns in erster Linie als Zwischenstation für die Reise nach San Pedro de Atacama vorgesehen, entpuppte sich jedoch als wunderschönes Städtchen, welches insbesondere die Herzen von Kirchenfetischisten höherschlagen liesse, denn Gotteshäuser sind hier ebenso zahlreich wie farbenfroh. Nach unserer Ankunft unterstützen wir das lokale Laundrygewerbe, bevor wir uns dem Cerro San Bernardo – dem Haushügel Saltas – widmeten. Wir entschieden uns, den Aufstieg zu Fuss anzutreten und uns den 300 Höhenmetern bzw. den 1’021  Stufen der Steintreppe zu stellen, welche in Form eines Kreuzwegs zum Gipfel des Hügels führt. Oben angekommen wurden wir mit einem schönen Ausblick auf Salta belohnt, welches doch um einiges grösser zu schein seint, als man es erahnen würde. Für den Rückweg bedienten wir uns der Gondelbahn, welche schon beim Aufstieg eine durchaus bequeme Alternative gewesen wäre. Die restliche Zeit erkundschafteten wir das schmucke Städtchen, stellten die Pingpong-Hierarchie klar und konkretisierten unsere Pläne für den Aaufenthalt in San Pedro de Atacama.

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One thought on “Mendoza & Salta

  1. Mammut:-)

    Hallo zusammen
    Wir freuen uns, dass es euch gut geht?. Bereits ist ein Monat vergangen…wir vermissen euch. Glg???

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